Über Waldorfpuppen

 

Was ist der Unterschied zwischen einer Waldorfpuppe und einer Stoffpuppe?

Der Überbegriff „Stoffpuppe“ steht für alle Puppen, die aus Stoff gefertigt sind.
Es gibt jedoch viele Arten eine Stoffpuppe zu gestalten und eine davon unterliegt den Kriterien der Waldorfpädagogik.


Die Waldorfpuppe

Die bekannte und unter Anhängern sehr beliebte Waldorfpuppe ist eine einfache, auf das nötigste reduzierte Stoffpuppe.
So besitzt eine Waldorfpuppe zwar einen Kopf, einen Körper, Arme und Beine, aber sämtliche aufwändig detaillierten, menschlichen Merkmale wie Ohren,
Augenbrauen und Zehen werden häufig gänzlich ausgelassen.

Waldorfpupper Obwohl sie ein Abbild des Menschen ist sträubt sich die Waldorfpuppe gegen alle Klischees, die man mit einer stilistischen Puppe verbindet.
Sie soll weder hübsch aussehen noch soll sie ein Abziehbild des menschlichen Körpers sein.
Sie soll vordringlich durch hineindenken einfacher Gefühlsregungen, wie lachen oder weinen, mit dem Kind in Kontakt treten.
Angesichts der Waldorfpädagogik gelingt dieses „hineindenken“ am besten,
wenn die Puppe eine neutrale Ausstrahlung hat, die Freiraum für die Fantasie des heranwachsenden Kindes lässt.

Das Kind soll mittels seiner Vorstellungskraft selber entscheiden dürfen wie sich die Puppe fühlt und gebärdet.
Die ursprüngliche Waldorfpuppe war sogar gesichtslos, um der kindlichen Fantasie noch mehr Freiraum zu lassen.


Mit der Zeit hat sich diese „Ansicht“ jedoch geändert. Waldorfpuppen dürfen ein Gesicht haben, es sollte aber ausdruckslos bleiben und keinen Gemütszustand verdeutlichen.
Die Andeutung von zwei kleinen Augen und ein Strich für den Mund reichen aus, um die Fantasie des Kindes anzugregen.
Dagegen wirkt eine Puppe, der ein immerwährendes Lachen im Gesicht steht, nicht authentisch.
Der dominante, bereits festgelegte Gesichtsausdruck, lässt die Fantasie veröden , wie es Rudolf Steiner, der Begründer der Waldorfpädagogik, ausdrückt.

Der Körper einer Waldorfpuppe kann je nach Alter des Kindes anders aussehen.Waldorfpupper So genügt einem Neugeborenen ein einfaches Seidentuch, in das mehrere Knötchen gebunden sind. Das Baby kann danach greifen und es in den Mund nehmen.

Mit zunehmenden Alter werden Kinder jedoch neugieriger und stellen höhere Ansprüche an eine Puppe. Dann ist es schön, wenn die Stoffpuppe einen richtigen Körper zum an und ausziehen und Haare zum frisieren hat.
Je mehr man diesen Körper jedoch „ausformt“, desto mehr entfernt man sich von der ursprünglichen Waldorfpuppe. Ähnlich wie beim Gesicht, sollen die körperspezifischen Details wie Finger und Zehen, ein Bauchnabel oder Brustknospen sowie ein Po und sogar ein Geschlechtsteil, vom Kind ergänzend hinzu gedacht werden.
Ein Geschlechtsteil wäre z.b hinderlich, wenn das Kind beschließt, dass seine Mädchenpuppe nun ein Junge sein soll.

Ein weiteres wichtiges Kriterium sind die Materialein aus denen eine Waldorfpuppe gefertigt werden sollte.
Die Waldorfpädagogik schreibt Naturmaterialien vor, die belebend und natürlich auf das Kind einwirken.

Dessen ungeachtet ist der Begriff Waldorfpuppe/Waldorfpuppe seit einigen Jahren markenrechtlich geschützt.
Nicht jeder, der eine Puppe nach den Kriterien einer Waldorfpuppe näht, darf diese auch so nennen ( jedenfalls nicht in öffentlichen Ausschilderungen).
Oft gebräuchlich sind daher Umschreibungen wie nach Waldorf Art, Waldorf inspiriert oder Stoffpuppen aus Naturmaterialien.

Es bleibt dem Betrachter selbst überlassen, ob er eine Waldorfpuppe nur an ihrem Namen oder an ihrem typischen Aussehen erkennt.
Die Einfachheit einer Puppe lässt sich nicht markenrechtlich schützen.
Seit Jahrtausenden sehen die Menschen in den einfachsten Dingen, ein Abbild ihrer selbst.
Die Waldorfpädagogik trägt jedoch entscheidend dazu bei, die Puppe als sinngemäßes Spielzeug zu begreifen, das seinen Wert auf Dauer behält.


Die Stoffpuppe

Eine Stoffpuppe, die frei gestaltet ist und in erster Linie den persönlichen Stil des Puppenmachers wider gibt, unterliegt keinen strengen Dogmen.
Was sich das Kind „denken“ soll, kann der Puppenmacher nach seinen Vorstellungen umsetzen.
Bei der Gestaltung sind alle Mittel erlaubt.
Die Puppe darf im Gegensatz zur Waldorfpuppe einen bestimmten Gesichtsausdruck haben,
der je nach Begabung und Handwerkskunst des Machers faszinierend glaubhaft und realistisch dargestellt werden kann.

Stoff ist kein Material, das man wie Knete modelliert, aber es gibt Techniken mit denen man charakteristische Nasen bilden kann,
Lippen plastisch hervorhebt oder Falten unter den Stoff einarbeitet.
Wer zudem gut malen kann, bringt lebhafte Augen hervor und jene, die bis ins kleinste Detail gehen, denken auch an die passenden Finger zu den Händen und an die knubbeligen Zehen für die Füße.

So entstehen Persönlichkeiten aus Stoff, die in jedem Fall Unikate sind und je nach Ausarbeitung eher für Sammlerherzen als für Kinderhände gedacht sind.

 

 

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